Die Glasindustrie im Böhmerwald

07. Februar 2011

Bereits im Mittelalter war im Böhmerwald die Herstellung von Glas ein ungemein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert etablierte sich das Handwerk der Glasherstellung an den Rändern des Gebirges. Damals war noch genügend Holz in den dichten Wäldern vorhanden, um die energieintensive Schmelzung der eingesetzten Mineralien zu befeuern. Besonders Bleikristall (Kreideglas) wurde in Böhmen produziert. Die Bezeichnung Bleikristall ist eigentlich irreführen, denn es handelt sich nicht um ein Kristall, sonder im Glas mit einem hohen Antel an Blei. Böhmen konnte sogar die venezianische Vorherrschaft beim Handel mit Glaswaren brechen und avancierte weltweit zum Marktführer. Diese Marktführerschaft verteidigte es über mehr als 200 Jahre. Die Region brachte viele namhafte Hersteller von Glas und Glaswaren hervor. Diese Entwicklung erreichte im 17. und im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Die bekanntesten Hütten waren die Michlhütte im böhmischen Michlova Hut (Helmbach) in der Nähe vom Vimperk (Winterberg) sowie die namhafte Gratzener Hütte bei Nove Hrady (Gratzen). Vom 19. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert hinein zählten die Firmen Lötz aus Klostermühle in der Nähe von Untereichenstein, Meyr`s Neffe aus Adolf bei Vimberk (Winterberg und Kralik aus Lenora (Eleonorenhain) zu den bekanntesten ihrer Zunft. Ihre Produkte waren wegen ihrer überaus hohen Qualität begehrt in ganz Europa und sogar überseeische Exporte waren an der Tagesordnung. Letztgenannte Firmen waren vor allem führend bei der Produktion von Jugendstilglas. Selbstverständlich wurde auch Spiegelglas hergestellt. Hier waren jene Hütten aus Elisental bei Zelezna Ruda (Markt Eisenstein) und aus Neu Hurkenthal führend. Die Holzbringung zur Erschmelzung des Glases erfolgte hauptsächlich über eigens angelegte Kanäle mittels Flößen.

Der Böhmerwald und seine Geschichte fanden ihren Platz in den Werken einiger bekannter Literaten. Zu nennen wären beispielhaft Erzählungen von Karl May und Adalbert Stiffter. Der Freischütz, eine Oper von Carl Maria von Weber, spielt in den dunklen Forsten de Böhmerwaldes.

Burg Karlsberg im Böhmerwald

03. Dezember 2010

Die weit über 100 km lange Bergkette des Böhmerwaldes ist aus gutem Grunde zu einem beliebten Ziel für Urlaube oder Ausflüge verschiedenster Art geworden. Nicht nur die Bewohner des deutsch-tschechisch-östereichischen Grenzgebietes schätzen die wunderbare Natur und die vielen historischen Bauwerke der Gegend, sondern aus ganz Deutschland machen sich Urlauber jedes Jahr auf die Reise in den Böhmerwald, um in die besondere Atmosphäre der Gegend einzutauchen. Besonders Naturliebhaber und Leute, die sich für alte Burgen und Schlösser interessieren, sind hier goldrichtig.
Eine der vielen sehenswerten Burgen im Böhmerwald ist die Burg Kašperk (zu deutsch Karlsberg) im Tschechischen Gebiet des Böhmerwaldes gelegen. Leider ist heute nicht viel mehr als eine Ruine des 1365 errichteten Bauwerkes übrig, doch eine Besichtung der beeindruckenden Anlage lohnt sich natürlich nichtsdestotrotz. Kaum nähert man sich den Ruinen, beginnen sie auch schon die Geschichte der Burg zu erzählen. Denn die Wahl des Standortes der Burg ist bemerkenswert: Genau an einem Felsrücken in 886 Metern Höhe gelegen, wird ihr primärer Zweck schnell offensichtlich. Denn unweit der Burg befinden sich mehrere Goldminen, die es offenbar von der Burg aus zu schützen galt. Strategisch war der Standort der Burg als überaus geschickt ausgewählt.
Verantwortlich für den Bau der gotischen Burg war Karl IV, der einen gewissen Veit Hedvábný beauftragte, den Bau der Burg in die Hand zu nehmen. Die Errichtung lief problemlos und eine imposante Königsburg entstand. Dennoch wurde sie mehrfach verschiedenen Lehnsherren zur Verfügung gestellt, z.B. dem Erzbischof Johann OÄ?ko von WlaÅ¡im oder Jiří von LokÅ¡an. Die solide Bauart und der strategisch gut gewählte Standort der Burg machten sich bezahlt, denn sie wurde in den folgenden Jahrhunderten nicht ein mal eingenommen. Dennoch begann man schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Burg zu vernachlässigen, so dass ein langsamer Verfall einsetze. Kaum 50 Jahre später, im Jahr 1617 wurde sie dann bereits nicht mehr genutzt.
Die vielen Jahrhunderte des Brachliegens haben in der Burg deutliche Spuren hinterlassen, die eine Besichtigung umso spannender machen. Neben der beeindruckenden Ruinen der Burg Karlsberg und der umwerfenden Kulisse des Böhmerwaldes gibt es kaum 400 Meter von der Burgruine entfernt die Reste einer vorgeschobenen Befestigung der Burg zu sehen, die wie die ursprüngliche Burg noch aus gotischer Zeit stammen und überaus sehenswerte Überbleibsel dieser so spannenden Zeit darstellen.